Analyse der Szene "Straße" - Faust

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15. Aug '19

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Analysiere die Szene 'Straße' (V.3025 - 3072) aus Goethes Drama 'Faust' (Kontexteinordnung, Inhaltsüberblick, Figurenanalyse, Handlungsentwicklung, Funktion).

Die Tragödie "Faust" von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahre 1808 thematisiert das Streben des Menschen nach Erkenntnis und seine Begierde. Die zu analysierende Szene "Straße" behandelt Fausts Ambivalenz in Bezug auf die Moral seines Handelns.

Um den Tod des Mannes der Nachbarin Gretchens zu bestätigen, versucht Mephisto Faust dazu zu überreden, sein Ableben fälschlicherweise zu bezeugen, um somit einen Vorwand für ein Treffen zwischen Faust und Gretchen zu schaffen. Zunächst bereitet Mephisto Faust auf die Notwendigkeit der Lüge vor, indem er ihm in Aussicht stellt, Gretchen bald zu treffen, was Faust sichtlich erfreut. Dass es dafür notwendig ist, über den Tod des Mannes der Nachbarin zu lügen, versteht er zunächst nicht und als ihn Mephisto darüber aufklärt, missfällt ihm die Idee zunächst. Dennoch schafft es Mephisto, Faust davon zu überzeugen, es doch zu tun, wobei Faust zwar Mephistos Manipulation erkennt und an seinem handeln zweifelt, sich aber trotzdem gezwungen sieht, Gretchen zu treffen.

Die Szene veranschaulicht Fausts Polarität insofern, als dass aufgezeigt wird, dass Faust eine gute mit einer bösen Seite vereint. Er hat gute Absichten und Normen, handelt allerdings nicht integer.

So wird Faust zunächst sogar als naive Figur präsentiert, da er tatsächlich erwartet, er und Mephisto müssten "erst die Reise machen" (V. 3036), um den Tod des Ehemannes bezeugen zu können. Selbst im Dialog mit dem Teufel zieht er die Lüge von sich aus nicht in Betracht, was zeigt, dass Fausts Denken ein gutes Wertebild zu Grunde liegt. Die guten Absichten werden weitergehend dadurch unterstützt, dass selbst sein offensichtlich großes Verlangen nach Margarete, das unter anderem zu Beginn der Szene dadurch deutlich wird, dass seine Sätze verkürzt und fragend formuliert sind (vgl. V. 3025), nichts an seiner Aufrichtigkeit ändern kann. nichts an seiner grundlegenden Aufrichtigkeit ändern kann.

Mephisto higegen bezeichnet ebenjene Aufrichtigkeit als "Sancta Simplicitas [Heilige Einfalt]" (V. 3037). Ihm ist die Korrektheit ihres Handelns offensichtlich egal und er fordert Faust deswegen auf, den Tod des Mannes zu bezeugen, "ohne viel zu wissen" (V. 3038).

Jedoch schließt Faust die Lüge kategorisch aus ("Wenn er nichts besseres hat, so ist der Plan zerrissen.", V. 3039), woraufhin Mephisto zur Manipulation ansetzt: Er bezeichnet Faust ironisch als "heil'ge[n] Mann" (V. 3040) und bringt seinen Sarkasmus ferner zum Ausruck, indem er seine Aussage als Exklamation formuliert (vgl. V. 3040). Zusätzlich versucht er, Faust von seinen idealen abzubringen, indem er ihn fragt, ob es das "erste Mal in Eurem Leben [sei], dass ihr falsch Zeugnis ablegt" (V. 3041f.), wobei selbstverständlich impliziert ist, dass dem nicht so ist, was gleichzeitig die grundlegende Problematik Fausts illustriert, dass seine Taten nicht seinen Idealen entsprechen - er handelt nicht integer.

Mephisto zielt also darauf ab, Faust davon zu überzeugen, dass er nicht das hohe moralische Wesen sei, dessen Ideale er hat, sondern "dem Tiere ähnlicher als jedes Tier", was er mit rhetorischen Fragen, die sich auf "Gott, [die] Welt und was sich darin bewegt" (V. 3043) beziehen, untermauert (vgl. V. 3043 - 3049). Faust erkennt die Manipulationsversuche Mephistos und bezeichnet ihn als "Lügner" (V. 3050) und als "Sophiste[n]" (V. 3050), also als jemanden, der mehr mit rhetorischer Rafinesse als mit inhaltlicher Korrektheit zu überzeugen weiß. jedoch scheint er von seiner Position nicht mehr gänzlich überzeugt zu sein, da er schließlich seinen bloßen Beschuldigungen nichts anzufügen hat. Mephisto erkennt das ("wenn man's nicht ein bisschen tiefer wüsste", V. 3051) und prophezeit in Form einer rhetorischen Frage, dass Faust Gretchen ohnehin treffen wolle (vgl. V. 3052 - 3054).

Faust schafft es anschließend nicht mehr, seine Ideale aufrecht zu erhalten und stimmt Mephisto zu (vgl. V. 3055). Im Folgenden stellt Mephisto seine Zweifel daran heraus, dass Faust nach "ewiger Treu und Liebe" (V. 3057) sucht, indem er dem die Antithese "einzig überallmächt'gen Triebe" (V. 3058) gegenüberstellt und anschließend den Zweifel - erneut als rhetorische Frage - formuliert (vgl. V. 3058). Faust ist zwar erst empört über Mephistos Zweifel ("Lass das! Es wird!", V. 3059), aber im Folgenden werden auch seine eigenen Zweifel sichtbar: Die Verwendung einer Paranomasie, bei der Faust "Gefühl" einem "Gewühl" (beide V. 3060) entgegensetzt, zeigt auf, dass sich Faust unsicher ist, da er schließlich in erster Linie verwirrt über seine Gefühle ist (vgl. V. 3061) und noch dazu keine Bezeichnung dafür findet (vgl. V. 3061); die Situation also für ihn nicht greifbar ist. Noch deutlicher macht er die Zweifel an seinem zuvor verteidigten Idealen: So fragt er sich, ob es ein "teuflisch Lügenspiel" (V. 3066) ist, wenn er transzendent "durch die Welt mit allen Sinnen schweif[t], nach allen höchsten Worten greif[t], und diese Glut von der[er] brennt, unendlich, ewig ewig nenn[t]" (V. 3062ff.). All dies stellt er in Frage, was beweist, dass Mephistos Manipulationsversuche erfolgreich waren. Mephisto selbst bestätigt das ("Ich hab doch Recht!", V. 3072). Faust spricht ihm ebenfalls zu, dass Mephisto Recht hat (vgl. V. 3072). Er sieht sich von höherer Stelle gezwungen, Gretchen zu sehen und gibt daher seine Ideale auf.

Im Dilemma zwischen Begierde und der Korrektheit seines Handelns verfällt er folglich seinen Trieben, was Mephisto darin bestätigt, dass der Mensch dem Tier nur zu ähnlich ist. Man kann also vermuten, dass Mephisto zu zeigen versucht, dass die Triebe stärker im Menschen verankert sind als es die Moral ist. Jedoch muss er dafür zunächst einige Überzeugungsarbeit leisten. Das wird besonders an dem erheblich größeren Gesprächsanteil Mephistos deutlich. Die Kommunikation zwischen den beiden ist asymmetrisch, da Faust vor allem mit kurzen Versen auf das reagiert, was Mephisto vorbringt. Mephisto hingegen dominiert den Dialog nicht nur aufgrund seines größeren Gesprächanteils, sonder auch deswegen, weil er deutlich längere Sätze nutzt, die Teilweise als Enjambements über mehrere Verse hinausgehen.

Die Relation zwischen den beiden und der inhaltliche Verlauf zeigen, dass Faust eine gute moralische mit einer schlechten triebgesteuerten und willensunfreien Seite vereint. Prinzipiell tendiert er zum Guten, da er zunächst die Lüge kategorisch ausschließt und erst durch die Manipulationsversuche und die geschickte Rhetorik des Teufels umgestimmt werden kann.

Insgesamt wird dennoch eine große Diskrepanz zwischen Fausts Idealen und seinem Handeln deutlich, da er letztendlich doch wider seinen Werten agiert. Dieses Verhalten beschränkt sich nicht auf diese spezifische Szene, sondern kehrt als Motiv im gesamten Drama wieder. Fausts Entscheidungen, die nicht den eigentlich guten Werten entsprechen, führen dazu, dass Gretchen in der Katastrophe endet. Immer wieder hätte Faust die Gelegenheit, sich von Gretchen und vor allem Mephisto abzuwenden, doch er handelt nicht integer, was im Letzten Gretchens Tod und den ihrer Mutter, ihres Bruders und ihres Kindes zur Folge hat. Die Szene veranschaulicht also ein Muster in Fausts Ambivalenz und seinem Verhalten.

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