"Abend" - Szenenanalyse zu Goethes Faust | Deutsch Oberstufe

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16. Jul '19

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Analysiere die Szene 'Abend' (V. 2684 - 2752) aus 'Faust - Der Tragödie erster Teil'

Das Drama “Faust – Der Tragödie Erster Teil”, welche zwischen 1772 und 1832 von Johann Wolfgang Goethe verfasst und somit durch die Epochen der Aufklärung, der Klassik, des Sturm und Drangs und der Romantik geprägt wurde, thematisiert den Pakt zwischen dem Teufel und dem Gelehrten Heinrich Faust, der trotz seines Wissens unzufrieden mit seinem Leben ist.

Die zu analysierende Szene behandelt Fausts körperliche Begierde nach Margarete, die mit Zweifeln an der moralischen Integrität seines Handelns konfrontiert wird.

Nachdem Faust Mephisto sein Verlangen nach Margarete deutlich gemacht hat, entschließen sie, ein Geschenk für Margarete in ihrem Zimmer zu präparieren, um Margarete auf Faust aufmerksam zu machen. Dafür warten sie, bis Margarete ihr Zimmer verlässt, sodass Faust und Mephisto auftreten können, um das Geschenk zu platzieren. Dabei wird Faust von der Nähe zu Margarete gar zu überwältigt und bittet Mephisto, ihn allein zu lassen. In einem Monolog bringt er seine Liebe Margarete gegenüber zum Ausdruck bis er letztendlich doch an der Korrektheit seines Verhaltens zweifelt. Als Margarete zurückkommt, drängt Mephisto Faust zu gehen.

Im ersten Teil von Fausts Monolog wird seine emotionale Verfassung deutlich: Dadurch, dass er die Atmosphäre in Margaretes Zimmer pathetisch als “süße[n] Dämmerschein” (V. 2687), den Ort als “Heiligtum” (V. 2688) und “Himmelsreich” (V. 2708) und Margarete selbst als “eingeborenen Engel” (V. 2712) beschreibt wird klar, dass seine emotionale Verbindung zu Margarete – zumindest seinem Empfinden nach – tiefgreifend sein muss. Dies wird im Allgemeinen durch die vielen Ausrufe und weitergehend durch die vermehrte Verwendung von Exklamationen wie etwa “O nimm mich auf!” (V. 2695), “Ich fühl, o Mädchen, deinen Geist” (V. 2702) oder “O liebe Hand!” (V. 2707) unterstützt.

Ferner bringt Faust sein Verlangen nach Margarete dahingehend zum Ausdruck, als dass er der “Armut […] Fülle” (V. 2692) und dem “Kerker […] Seligkeit” (V. 2693) entgegensetzt und sie zusätzlich als Parallelismus und Anapher arrangiert (vgl V. 2692f.), um seinen Worten einen besonderen Eindruck von Entschlossenheit zu vermitteln.

Jedoch währt eben jene Entschlossen- und offensichtlich auch Zufriedenheit (vgl. V. 2722) – wie für Faust so typisch (“Mit dem Wissen wächst der Zweifel”) – nicht allzu lange. So stellt er seiner innigen Rührung (vgl. V. 2718) bald gänzlich grundlegende Fragen gegenüber, die Zweifel an seinem Handeln zum ausdrücken. So fragt er, was ihn überhaupt hergeführt habe (vgl. V. 2717) und was er überhaupt dort wolle (vgl. V. 2719). Des weiteren wird “das Herz ihm schwer” (V. 2719), er nennt sich selbst “armselig” (V. 2720) und erkennt sich sich nicht wieder (vgl. V. 2720). Insbesondere letzteres unterstützt die Annahme, dass sich Faust schon früh im Verlaufe der Handlung seiner mangelnden Integrität und somit auch der Verantwortungslosigkeit seines Handelns bewusst ist.

Für die Frage nach der Verantwortung ist die Szene außerdem von großer Bedeutung, da das Verhältnis zwischen Mephisto und Faust diesbezüglich aufgeschlüsselt werden kann: Faust hat gegenüber Mephisto den deutlich größeren Gesprächsanteil. Dabei redet er viel, ohne daraufhin tatsächlich zu handeln und nimmt Mephisto gegenüber eine asymmetrische, eher überlegene und in erster Linie entscheidende Position ein, da es schließlich Mephisto ist, der die Rolle übernimmt, Faust davon zu überzeugen zu müssen, den verabredeten Plan in die Tat umzusetzen, Faust aber letztendlich die Entscheidung trifft. Obgleich Faust die bis dahin als eindeutig unschuldig und immer wieder als “rein” bezeichnete Margarete eigentlich nicht negativ beeinflussen möchte, lässt er sich von Mephisto recht einfach überzeugen, an dem Plan festzuhalten und den Kontakt zwischen Faust und Margarete aufrechtzuerhalten. Insgesamt deutet all dies darauf hin, dass Faust – und nicht etwa Mephisto, wenngleich er Faust manipulieren mag – die Verantwortung für sein Handeln trägt.

Aufgrund der Zentralität der Schuldfrage im späteren Verlauf des Dramas, handelt es sich durchaus um eine Schlüsselszene. Faust versucht, Mephisto die Schuld für den Lauf der Dinge zu übertragen, während dieser ihn daran erinnert, dass Faust es war, der die Situation herbeigeführt hat und somit die Verantwortung tragen muss, wenngleich er dazu nicht imstande ist. Schließlich macht seine zwischenzeitliche Selbstreflektion über die Korrektheit seines Handelns deutlich, dass er sich seiner Verantwortung zwar bewusst ist; dennoch kann er ihr nicht gerecht werden, da er sich trotzdem auf Margarete einlässt.

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